Ein Roboter zum Streicheln

Der kleine Roboter „3Pi“ schlägt sich wacker. Die erste Kurve hat er problemlos geschafft. Die LEDs an seinem Körper blinken hektisch, während er sich etwas ruckartig auf das nächste Hindernis zubewegt. Die Zuschauer halten den Atem an: Fährt der Roboter in die Sackgasse oder nimmt er die richtige Abzweigung ins Ziel?

Bei der RoboSchool an der Technischen Universität Chemnitz kommen zwanzig Schülerinnen und Schüler der 9. bis 13. Klasse zusammen und lernen gemeinsam Grundlagen der Elektrotechnik, Informatik und Physik. Das Besondere ist, dass das Wissen sofort in der Arbeit mit den Robotern angewendet werden kann. „Mit diesem Konzept aus Theorie und Praxis möchten wir den Schülern die Möglichkeiten eines technischen Studiums zeigen“, sagt Maja Riedel, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der TU Chemnitz und Organisatorin der RoboSchool.

Um den Robotern Leben einzuhauchen, müssen die RoboSchüler diese zunächst eigenhändig zusammenlöten und programmieren. Der „3Pi“ ist mit Sensoren ausgestattet und kann nach erfolgreicher Programmierung einen Parcours aus schwarzen Linien meistern. Zum Abschluss der RoboSchool wird der Linienparcours zur Rennstrecke, auf der die Schüler mit ihren Robotern gegeneinander antreten. Neben „3Pi“ steht auch der humanoide Roboter „NAO“ für die Experimente der Schüler zur Verfügung. Ob man ihm den Kopf streichelt, die Hände drückt oder sich ihm nur nähert – nach wenigen Programmierungen können die Schüler nach Belieben mit dem Roboter interagieren und sich sogar mit ihm unterhalten. „Wichtig ist uns, dass wir die Schüler mit der Technik inspirieren und dafür motivieren können. Sie sind so in die Arbeit mit den Robotern vertieft, dass wir sie kaum noch zum Aufhören überreden können. Diese motivierten Schüler sind unser Gewinn“, sagt Christian Roßbach. Als Mitarbeiter der RoboSchool  vermittelt er theoretische Kenntnisse. Die RoboSchüler erhalten für ihr Engagement einen besonderen Vorteil: Sie können persönliche Kontakte zu Mitarbeitern und Studenten der TU Chemnitz knüpfen und Fragen rund ums Studium sofort beantwortet bekommen. Ein Zertifikat bestätigt den Teilnehmern die erworbenen Kenntnisse.

Die RoboSchool  bewegt sich auch international: Vom 16. bis 24. Juni wird die siebte RoboSchool stattfinden. Diesmal kommen jeweils zehn Schüler aus der Türkei und Deutschland zur gemeinsamen Arbeit an den Robotern nach Chemnitz. Fachliche und sprachliche Unterstützung bekommt das RoboSchool-Team von der Chemnitzer Informatikstudentin Tuğba Yardımcı. „Wir freuen uns sehr über den Besuch der türkischen Schüler“, bestätigt Tuğba Yardımcı: „Die Veranstaltungen sind in deutscher Sprache, wir unterstützen unsere Teilnehmer aber beispielsweise mit zweisprachigen Unterlagen.“

Die RoboSchool wird im Rahmen des Projekts TU4U angeboten und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem Bund-Länder-Programm „Qualitätspakt Lehre” gefördert. Die Teilnahme an der RoboSchool ist für die Schüler kostenlos und kommt gut an. „Es ist wichtig, die Vorstellungen und die Motivation der Schüler aufzugreifen und in den Workshop mit einfließen zu lassen“, erklärt Maja Riedel, „wenn die Schüler neugierig sind, lernen sie viel leichter auch komplizierte Vorgänge zu verstehen.“
Weiterführende Informationen zur RoboSchool finden Sie unter http://roboschool.tu-chemnitz.de und auf Facebook.

Text/Foto: Simon Grübler

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