Tradition in Wurst

Seit mehr als einem Jahrhundert macht Familie Härtel Wurst- und Fleischwaren in Mittweida.

Der größte Mittagsansturm ist vorbei. Die beiden Mitarbeiterinnen hinter der Theke schnaufen durch. In der Auslage liegen deftige Braten, saftige Schinken, an der Wand hängt Wurst. Es riecht nach Gewürzen und warmen Wiegebraten. Sebastian Härtel ist sichtlich stolz auf sein Geschäft. „Wir benutzen nur Ökofleisch und natürliche Gewürze“, sagt der gelernte Fleischermeister als er den NOVUM-Redakteuren den Laden und die Produktion zeigt. Seit 138 Jahren gibt es die Fleischerei Härtel in Mittweida. Gegründet wurde das Unternehmen 1876 von Oswald Helm. Seit 2008 führt Ur-ur-enkel Sebastian Härtel die Fleischerei in der fünften Generation. „Mittlerweile haben wir neben dem Stammgeschäft in der Rochlitzer Straße drei weitere Filialen in der Chemnitzer Straße, in Döbeln und in Hainichen.“ Doch es gab auch Rückschläge. Zwei Weltkriege unterbrachen den Aufstieg der Firma: Max Helm und dessen Schwiegersohn Otto Härtel, dem Namensgeber des Unternehmens, leisteten ihren Kriegsdienst im Ersten und Zweiten Weltkrieg ab, den sie glücklicherweise überlebten. „Nach der Wende 1989 wussten wir nicht, wie wir reagieren sollten, als plötzlich die Supermarktketten in den Osten kamen, also haben wir einfach mitgespielt. Wir haben zusammen mit Hans-Jürgen Sachse den Edeka-Markt mit einer Fleischerei aufgemacht. Dies war unsere erste Filiale“, sagt Sebastian Härtel. Doch mittlerweile ist die Fleischerei in den heutigen Hauptsitz auf der Rochlitzer Straße umgezogen. Heute steht das Unternehmen besser da, denn je. „Einen Familienbetrieb macht man erfolgreich, indem man zusammenhält. Man baut für den nächsten Geschäftsführer und nicht nur für sich selbst“, erklärt Sebastian Härtel das Erfolgsrezept seiner Fleischerei. „Selbst mein Vater ist nach wie vor eine große Unterstützung für mich, da er heute noch bei der Produktion mithilft. Nach so vielen Jahren als Geschäftsführer im Familienbetrieb fällt es sichtlich schwer loszulassen.“ Nicht nur den Bürgern Mittweidas schmeckt es: „Wir durften schon einige Prominente bei uns begrüßen, wie FDP-Politiker Guido Westerwelle und Wolfgang Gerhardt, der beim Stadtfest Bier ausschenkte, oder Ministerpräsident Stanislaw Tillich, die Musiker Frank Schöbel, Ute Freudenberg, sowie Boxer Markus Beyer. Seine eigene Nachfolge indes hat Sebastian Härtel noch nicht geregelt: „Zwar wünsche ich mir, dass eines meiner Kinder die Firma einmal weiterführen wird. Doch derzeit sehe ich mein primäres Ziel eher darin, ein gutes Produkt zu machen, eine gute Produktion zu führen und ein guter Handwerker zu sein.“ Für den Geschäftsführer hat Qualität oberste Priorität. „Die Kunden sollen unsere Philosophie verstehen, dass wir Lebensmittel und keine Genussmittel anbieten. Der Kunde hat das Recht, hundertprozentig das zu bekommen, was er möchte.“ Mit den Erfahrungen der Vorgänger wisse man auch, was man künftig vermeiden solle, wenn man nicht das Ziel aus den Augen verlieren will, erfolgreich zu sein. „Verbesserungsmöglichkeiten sehe ich natürlich immer, doch unser altgestandenes Konzept ‚Bewusstes Arbeiten, bewusstes Denken bei der Herstellung!‘ wird stets unser Leitfaden
sein.“

Text: Kelly Pätzold

 

 

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