Ferngesteuerte Lebensretter

Wie Roboter zukünftig an unserer Seite existieren werden

Wie Roboter zukünftig an unserer Seite existieren werden

An zwei Orten gleichzeitig sein? Telepräsenzroboter machen dies möglich: Der Arzt befindet sich in Berlin und behandelt einen Patienten in Mittweida. Sie finden schon heute in vielen Bereichen unseres Lebens Anwendung.

Besonders an schwer zugänglichen Orten oder in gefährlichen Situationen werden sie eingesetzt. Zum Beispiel erforschen sie das Weltall oder werden zur Bombenentschärfung verwendet, für Drohneneinsätze in Kriegsgebieten oder zur Terroristenjagd.

Roboter im Eigenheim

Doch nun gibt es die Roboter auch für den privaten Bereich. „Den Telepräsenzroboter kann jeder bei sich zu Hause einsetzen“, sagt Prof. Dr. Hartmut Surmann, Informatik-Professor an der Fachhochschule Gelsenkirchen.

Benjamin Fabricius, Informatikstudent der Fachhochschule, hat einen Telepräsenzroboter entwickelt, der aus einem Staubsaugerroboter, einem Laptop und einer drehbaren Minikamera besteht. Durch diese einfachen Teile ist ein solches Gerät für jeden erschwinglich. Die Steuerung des Roboters basiert auf Skype, einem kostenlosen Programm für Videotelephonie. Benjamin hat zusammen mit seinem Professor Hartmut Surmann ein Programm entwickelt, durch das der Roboter vom Computer aus gesteuert werden kann. So kann sich ein Mitarbeiter durch den Roboter von zu Hause aus in den Büroräumen bewegen oder an Konferenzen teilnehmen. Er kann dabei seine Kollegen direkt anschauen und Blickkontakt halten, während er mit ihnen spricht. Egal ob Krankheit, am anderen Ende der Welt oder gerade an Bord eines Flugzeuges – das alles sind keine Gründe mehr um ein Meeting zu schwänzen. „Der Vorteil ist, dass man nicht groß reisen und lange Fahrten auf sich nehmen muss“, äußert sich Dr. Andreas Walther vom Klinikum Chemnitz.

Stellvertreter für Ärzte

Der größte Markt für Telepräsenzroboter ist die Medizin. „Momentan befinden wir uns in einem Tief, wo es weniger Fachkräfte gibt“, so der Anästhesist Dr. Walther. Die Telepräsenzroboter seien eine gute Möglichkeit, um den Mangel an Experten ein wenig auszugleichen. „Aber an den meisten Stellen braucht es auch einen Arzt vor Ort, der den Patienten untersuchen kann“. Wenn der behandelnde Arzt kein Spezialist auf dem benötigten Gebiet ist, kann ein Experte kontaktiert werden. Durch die Technik besteht dann die Möglichkeit, dass der Facharzt helfen kann den Patienten zu untersuchen oder gar lebensrettende Maßnahmen zu ergreifen, indem er seinem Kollegen vor Ort Anweisungen gibt.

Ferndiagnosen möglich

So zum Beispiel in einer Klinik in Silverton im US-Bundesstaat Colorado: Ein Baby wurde vier Wochen zu früh geboren und lief blau an. Der leitende Arzt, kein Experte für Neugeborene, bat er eine Fachärztin um Hilfe, die im etwa 2.000 Kilometer entfernten Oregon arbeitete. Kurz darauf konnte er über den Bildschirm eines Telepräsenzroboters von „InTouch Health“ mit ihr sprechen. Durch die Zusammenarbeit von dem anwesenden Arzt und der Spezialistin konnte das Baby schließlich normal atmen und überlebte ohne bleibende Schäden.

Das amerikanische Unternehmen “InTouch Health“ ist einer der führenden Produzenten für Telepräsenzroboter. Dicht gefolgt von “iRobot“, das für seine Haushaltshilfen bekannt wurde. Dazu gehören Staubsaugerroboter oder Roboter zur feuchten Bodenreinigung. Die beiden großen Konzerne haben zusammen einen Telepräsenzroboter namens RP-VITA hergestellt. Dieses Gerät soll es möglich machen, Diagnosen zu stellen und Patienten zu beobachten, ohne dass ein Arzt persönlich bei dem Betroffenen erscheinen muss. Der Roboter kann elektronisch auf Patientenakten zugreifen und sich selbstständig bewegen.

Intelligente Helfer

RP-VITA wurde bereits in Krankenhäusern getestet und hat jetzt schon den Ruf, ein Höhepunkt der medizinischen und technischen Entwicklung zu sein. Bisher kann er jedoch nur gemietet werden. Auch in Deutschland sind laut Gudrun Litzenberger, Generalsekretärin des Industrieverbandes International Federation of Robotics – IFR, bereits Telepräsenzroboter in Krankenhäusern im Testbetrieb. Litzenberger sieht auch Einsatzmöglichkeiten bei der Unterstützung von alten oder behinderten Menschen. „Hier läßt sich zum Beispiel vom Arbeitsplatz aus prüfen, ob es der Mutter daheim gut geht und ob sie ihre Medikamente richtig nimmt. Außerdem kann er direkt mit ihr sprechen. Den persönlichen Besuch ersetzt dies aber nicht.“

Die neuste Entwicklung an der Fachhochschule Gelsenkirchen ist ein Roboter, der als Hausnotrufsystem benutzt wird. „Er hat solche Funktionalitäten, dass er seinem Besitzer folgt oder erkennt, wenn dieser am Boden liegt und dadurch einen Skype Call auslösen kann“, berichtet Prof. Surmann.

Die Zukunft bringt jedoch noch mehr. Die nächste Stufe ist ein Roboter der lesen kann, um sich besser in Gebäuden anhand der Beschilderung von Türen orientieren zu können.Wie der Roboter wohl reagieren wird, wenn am Krankenzimmer „Zutritt verboten“ steht?

Text: Linda Barthel

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